MTB Salzkammer Trophy 2016

 

Die längste Strecke der Salzkammer Trophy misst 211,3 km, hat unvorstellbare 7.119 Höhenmeter und gilt als der härteste MTB Marathon Europas, kein anderes Rennen hat mehr Höhenmeter als die Salzkammer Trophy.

Die Ausfallquote beträgt zwischen 30 und 50 Prozent und flößt selbst eingefleischten Langstrecken Fahrern jede Menge Respekt ein.

An dem Renntag muss alles Stimmen, das Bike und der Fahrer müssen für lange Zeit sehr gut funktionieren....

Es ist Samstag der 09. Juli 2016 und um 03:00 Uhr Nachts klingel der Wecker, ich bin total müde und muss mich erst mal sammeln.

Vom Hotelbetreiber wurde für uns trotz der unmenschlichen Uhrzeit ein kleines Frühstück vorbereitet, nach dem dritten Kaffee bin ich langsam wach....

Um 4:15 Uhr fahren wir dann zum Start in Bad Goisern, unser Hotel liegt 6 Kilometer vom Start entfernt, auf 1000 Meter Höhe über N.N und wir benötigen gut 20 Minuten mit dem Auto. Auf der Abfahrt versuche ich noch einmal zu entspannen und mich gedanklich auf das Rennen vorzubereiten, das Wetter ist gut und ich bin bereit für das Rennen.

900 Fahrer stehen am Start und es sind wirklich viele Zuschauer vor Ort, die Stimmung ist, aber wir Fahrer sind irgendwie doch alle ziemlich angespannt.

Ich stehe nur 15 Minuten im Startblock und um Punkt 5 Uhr donnert die Startkanone.

Die ersten 2 Kilometer sind relativ flach und unsere Gruppe lässt es zum Glück eher ruhig angehen.

Der erste Anstieg des Tages, hoch zum Raschberg sind 900 Höhenmeter zu fahren. Das Feld ist noch dicht beieinander und es kommt zum Stau, einige Fahrer sind schon am Schieben, ich sehe es gelassen und werde im Laufe des Tages mein richtiges Tempo finden.

Oben am Raschberg angekommen bin ich dann richtig wach, es beginnt die erste schnelle Abfahrt des Tages, die Temperaturen liegen bei 15 Grad und es regnet ganz leicht, perfektes Wetter für diese Veranstaltung.

Wir fahren zur ewigen Wand, es folgt eine schöne technische Abfahrt, die gut zu fahren ist.

Ich muss aber trotzdem höllisch aufpassen, die großen Steine sind extrem rutschig und das Hinterrad bricht ständig aus, ich komme aber ohne Probleme unten im Tal an.

Die nächsten Kilometer sind ein auf und ab, immer wieder kurze und harte Anstiege, teilweise mit bis zu 30 % Steigung.

Auch wenn ich gerne mal ein paar Rampen hochfahre, das wollte ich zu diesem Zeitpunkt einfach nicht fahren. Solche Rampen kenne ich aus der Pfalz, wenn du die dort 5 Stunden fährst, ist der Ofen schnell aus.

Es folgt eine Reihe von super schönen und flowigen Trails, der reinste Spaß und der leichte Regenschauer ist zu diesem Zeitpunkt eine schöne Abkühlung.

130 km und weit über 4000 Höhenmeter sind absolviert, ein „normaler“ Langstrecken Marathon endet hier.

Weiter gehts dann auf eine 20 km Runde um den Hallstätter See, alles schön flach und für meine Beine ist das eine schöne Abwechslung.

In der gesamten Vorbereitung und auch kurz vor dem Start der Salzkammer Trophy habe ich mich nicht mit dem Salzberg beschäftigt, aber jetzt habe ich den Berg fest im Blick.

Zu fahren sind 600 Höhenmeter am Stück und bei einer Steigung von bis zu 30 % trägt der Berg zu Recht den Namen das Biest.

Nach 150 km beginnt dann die Kletterfahrt in Hallstatt hoch zum Salzberg, es ist mittlerweile ziemlich war geworden und ich bin froh, dass es soviele Getränke Stationen gibt.

Die ersten 100 Höhenmeter kann ich noch einigermaßen fahren, dann ändere ich den Rhythmus, mal schieben und dann wieder fahren, immer weiter und immer höher.

Der Schweiß schießt aus allen Poren, ich fühle mich wie in einer Sauna, was ich ja sonst gerne mag, nur heute irgendwie nicht so ....puuuuhhhh

Auf der Hälfte lege ich einen kurzen Stopp ein und trinke die nicht mehr so kalte Cola, trotzdem ist es die beste Cola, die ich jemals getrunken habe.

In weniger als einer Stunde bin ich oben, gefeiert von vielen Zuschauern und das motiviert mich für den „Endspurt“.

Es folgt eine kurze und schnelle Schotter Abfahrt, eine super Abkühlung und ich kann mich ein bisschen erholen.

In einer 4´er Gruppe fahren wir ich hoch zur Roßalm, mit 1450 Meter über N.N ist das auch der höchste Punkt des Rennens.

Es sind 800 Höhenmeter zu bewältigen und hier sind teilweise wieder Passagen mit über 18 % Steigung zu bewältigen.

Mittlerweile sitze ich über 12 Stunden im Sattel und kann diese Rampen teilweise nur noch schieben..

Es sind noch 30 Kilometer bis zum Ziel, nur noch 1 Anstieg mit knapp 400 Höhenmeter zu bewältigen, das sollte ich auch noch schaffen.

Einmal meinen Hausberg Melibokus hochfahren, damit versuche ich mich irgendwie für den allerletzten Anstieg zu motivieren.

Es kommt mir aber vor als hätte ich einen 20 Kilo Rucksack auf meinem Rücken, die Müdigkeit macht sich jetzt langsam bemerkbar und der Aufstieg scheint nie zu Enden..., Ich bin heute zum Glück nie in den ganz roten Bereich gefahren, sonst wäre das hier gerade wohl eine unlösbare Aufgabe für mich.

Ich bin dann aber irgendwann oben am Gipfel und muss erstmal kurz anhalten, ich strecke mich in alle Richtungen und krame die Power Bar Gel Shots mit Koffein aus dem Trikot, die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten.

Ich nutze den Energieschub und donner die Abfahrt zur letzten Verpflegungsstation hinunter, auch nach über 14 Stunden machen mir die Abfahrten noch Spaß.

Es sind nur noch 21 Kilometer bis ins Ziel und die Freude ist jetzt riesengroß, ich genieße jeden Kilometer.

Nach 15 Stunden und 3 Minuten bin ich Sturz und Pannenfrei über die Ziellinie gefahren.

Ich bin von den Gefühlen überwältigt und muss das erst mal die nächsten Tage alles verarbeiten...

Jeder, der gerne Mountainbike fährt, kann so eine Distanz bewältigen!

 

 

 

 

 

 

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